CNC Turning

Die Navigation im softwaredefinierten Zeitalter: Warum ein ganzheitlicher Systems Engineering-Ansatz wichtiger denn je ist

Die Navigation im softwaredefinierten Zeitalter: Warum ein ganzheitlicher Systems Engineering-Ansatz wichtiger denn je ist

Wichtige Erkenntnisse

  • Modell-Nutzung, nicht Modell-Erstellung, ist der Engpass – die meisten Digital Twins sterben nach der Konzeptgenehmigung.
  • Software-definierte Produkte erfordern End-to-End Systems Engineering, das Anforderungen, Architektur und nachgelagerte Hardware/Software-Entwicklung umfasst.
  • Fragmentierte Prozesse kosten Millionen – ein einzelnes Automobilprogramm verzeichnete > 200 Software-Defekte pro Tag im Endtest, wodurch Tausende Techniker eingreifen mussten.
  • Ein ganzheitlicher „Digital-Thread“-Ansatz reduziert Nacharbeit um 30-40 % und beschleunigt die Markteinführung um bis zu 25 %.

Die software-definierte Ära navigieren: Warum ganzheitliches Systems Engineering nicht mehr optional ist

Von Hans-Jürgen Mantsch, Siemens Digital Industries Software & Moshe Cohen, IBM Engineering

Der Paradigmenwechsel hin zu software-zentrierten Produkten

In der Automobil-, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung macht Software jetzt 30-50 % der gesamten Fahrzeug-Stückliste (BOM) aus, gegenüber unter 10 % vor einem Jahrzehnt. Over-the-Air (OTA) Updates haben jedes Fahrzeug zu einem lebenden System gemacht; jeder Patch löst eine Kaskade von Anforderungsänderungen, Sicherheitsanalysen und Schnittstellen-Revisionen aus. Dennoch behandeln viele Organisationen Systems Engineering weiterhin als front-lastige Tätigkeit und verwerfen das Modell, sobald das Konzept genehmigt ist.

Das eigentliche Problem: Modell-Nutzungs-Lücke

Mehrere IEEE-Studien (z. B. IEEE Access, Vol. 9, 2021) und interne Audits bei Siemens und IBM zeigen, dass > 85 % der Systemmodelle nach der Konzept-Freigabe nie wieder betrachtet werden. Das „Modell-Erstellungs-Problem“ ist gelöst; das „Modell-Nutzungs-Problem“ bleibt.

Warum ein fragmentierter Ansatz kostspielig ist

Real-World-Folgen

  • Automotive News (2023) berichtete über ein nicht genanntes Spitzenprogramm, das bei der Endvalidierung ≈ 250 Software-Defekte pro Tag aufdeckte.
  • Der Defektanstieg erforderte ≈ 3.200 Techniker-Stunden pro Woche für die Triagierung, was die Programmkosten um geschätzte 12 M $ durch Überstunden und Nach-Engineering erhöhte.

Diese Zahlen illustrieren ein klassisches „Wall“-Szenario: Anforderungs-Ingenieure übergeben detaillierte Modelle an Systemarchitekten, die dann annehmen, die nachgelagerten Implikationen bereits zu kennen. Das Ergebnis ist doppelte Arbeit, verpasste Sicherheitsprüfungen und verzögerte Releases.

Der ganzheitliche Systems-Engineering-Plan

Vom Silo zum Digital Thread

Ein Digital-Thread verbindet jede Engineering-Disziplin – mechanisch, elektrisch, software und test – über ein gemeinsames, kontinuierlich aktualisiertes Modell. Der Thread ermöglicht:

Aspekt Traditioneller silo-basierter Ablauf Ganzheitlicher Digital-Thread-Ablauf
Modell-Lebenszyklus Erstellt → nach Konzept archiviert Erstellt → kontinuierlich über Phasen verfeinert
Auswirkungs-Analyse bei Änderungen Manuell, ad-hoc, fehleranfällig Automatisierte Rückverfolgbarkeit, 30 % schneller
Domänen-übergreifende Zusammenarbeit Übergaben, „Wall“ von Dokumenten Echtzeit-gemeinsame Ansicht, reduziert Nacharbeit um 35 %
Time-to-Market 18–24 Monate für eine neue Fahrzeugvariante 14–18 Monate (≈ 25 % Beschleunigung)
Defektdichte in der Validierung > 200 Defekte/Tag (Fallstudie) < 80 Defekte/Tag (prognostiziert)

Implementierung des End-to-End-Loops

  1. Vereinheitlichte Anforderungs-Repository – Alle Stakeholder-Anforderungen leben in einer einzigen, versionierten Datenbank (z. B. IBM Engineering Requirements Management DOORS Next).
  2. Modell-zentrierte Architektur – SysML- oder AADL-Modelle sind die einzige Wahrheitsquelle, verknüpft mit nachgelagerten CAD-, ECAD- und Code-Repositories über APIs.
  3. Automatisierte Rückverfolgbarkeit & Impact-Analyse – Jede Anforderung, Designelement und Testfall ist durch die Toolchain rückverfolgbar, was sofortige Impact-Reports bei vorgeschlagenen Änderungen ermöglicht.
  4. Continuous Integration für Systeme – CI-Pipelines kompilieren, simulieren und validieren das integrierte Modell bei jedem Commit und fangen Integrationsdefekte früh ab.

Quantifizierbare Vorteile

  • 30-40 % Reduktion der Nacharbeit (IBM interne Daten, 2022).
  • 25 % schnellere OTA-aktivierte Feature-Rollouts (Siemens-Fall, 2023).
  • Bis zu 3× ROI auf modell-basierte Investitionen innerhalb von 18 Monaten (INCOSE-Umfrage 2022).

Fazit

Die software-definierte Zukunft komplexer Produkte kann nicht auf einem Flickenteppich isolierter Engineering-Aktivitäten basieren. Unternehmen, die von einer „Modell-Erstellung“-Mentalität zu einem kontinuierlichen Modell-Nutzungs-Paradigma übergehen – verankert durch einen robusten Digital Thread – werden Defektraten senken, Entwicklungskosten reduzieren und die Markteinführung beschleunigen. In einer Ära, in der OTA-Updates ein Produkt über Nacht neu definieren können, ist ganzheitliches Systems Engineering kein nettes Extra; es ist das strategische Fundament für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Passende Maschinen zu verkaufen

Alle durchsuchen →

Ähnliche Artikel